Die Gedenktafel, aufgestellt und geweiht 2014

Einweihung des Gedenksteines zur Erinnerung an die fr├╝heren Bewohner des Kreises Elchniederung am 1. August 2014

Es  war schon  im Jahr  2013  geplant worden, einen Gedenkstein zur Erinnerung an die fr├╝heren Bewohner der Elchniederung vor der Kirche  in Heinrichswalde (heute Slawsk) aufzustellen. Nachdem unser Museumsleiter, Herr Kent, ein besonders sch├Ânes Exemplar gefunden hatte, begannen die  ├ťberlegungen  und  Planungen durch  unseren leider viel zu fr├╝h verstorbenen Gesch├Ąftsf├╝hrer Hartmut Dawideit. Er stimmte mit der  Verwaltung von  Slawsk (Heinrichswalde) den Wortlaut auf der Tafel des Steins auf Deutsch und Russisch ab und verhandelte mit  einem Steinmetz aus  Heinrichswalde ├╝ber die erforderliche Arbeit und  die Kosten hierf├╝r. Es wurde sich schlie├člich f├╝r folgenden Text entschieden:

Unvergessene Heimat Ostpreu├čen
  Zum Andenken an die hier fr├╝her lebenden Bewohner der Elchniederung

Am  Freitag, dem 01. 08. 2014  um 16.30 Uhr wurde nun die Stein-Enth├╝llung  und  Einweihung vorgenommen. Es waren hierzu von russischer Seite erschienen:
Der Verwaltungs-Chef - Herr Artjukow, der Landrat - Herr Lawrikeitis und der B├╝rgermeister - Herr Malakov.
Die deutsche Seite war vertreten durch unseren Kreisvertreter - Manfred Romeike und unseren Kirchspielvertreter - Peter Westphal mit seiner ganzen Bus-Gesellschaft.
Es waren zwar kein Pfarrer, kein Chor und keine Veteranen gekommen, aber viele der jetzigen Bewohner von Slawsk (Heinrichswalde).
Nach einer Gedenkminute f├╝r Hartmut Dawideit, unserem ehemaligen Gesch├Ąftsf├╝hrer und stellvertretenden Vorsitzenden der Kreisgemeinschaft Elchniederung, wurde der noch mit der Fahne der Elchniederung verh├╝llte Stein eingeweiht. Anschlie├čend wurde  ein Kranz niedergelegt. Eine Ansprache hielten Herr Artjukow und Manfred Romeike ├╝ber die Bedeutung des Gedenksteins und die Geschichte der  Elchniederung. Die beiden Ansprachen wurden jeweils in Deutsch und Russisch ├╝bersetzt. Zum Schluss wurde das Ostpreu├čenlied von vielen der Anwesenden  mitgesungen.
Anneliese Romeike

Manfred Romeike und Herr Artjukow sowie ├ťbersetzerinnen
Herr Romeike und Herr Artjukow

Einweihung des Gedenksteines zur Erinnerung an fr├╝here Bewohner

Der Elch - Best├Ąnde in Ostpreu├čen von 1848 bis heute

Erinnerung an das ostpreu├čische Pferd - Remontekommission

 

 

 

 

 

Der Elch das Wappentier unseres Heimatkreises und der Kreisgemeinschaft

Die ÔÇ×Preu├čische Allgemeine Zeitung“ Nr. 5 vom 10. November 2017 (Ostpreu├čenblatt/Heimatarbeit) ver├Âffentlichte nachfolgende Artikel, den wir f├╝r Sie entnommen haben.

Der nieders├Ąchsische leitende Forstdirektor Horst F. Buschalsky (62) ist ein profunder Kenner der einzigartigen Natur Ostpreu├čens, ihrer Tiere und der dortigen Jagdverh├Ąltnisse. Seinen Vortrag anl├Ąsslich der Gedenkveranstaltung zur Gr├╝ndung des Ostpreu├čischen Jagdmuseums vor 60 Jahren (siehe PAZ 43, Seite 19) ver├Âffentlicht die PAZ in mehreren Teile.

Nachfolgend die dritte Folge von ÔÇ×Jagd und J├Ąger in Ostpreu├čen - einst und heute“:

Elchbestand in OP

1848

500 - 600

1849

11

1886

300

1900

390

1905

700

1914

800

1918

230

1920

200

1925

500

1932

1.000

1944

1.500

1945

0 :-(

1969

500

1980

1.800

2005

1.300

Aus der pflegenden und hegenden T├Ątigkeit heraus, verbunden mit praktischem, wissenschaftlich fundiertem K├Ânnen und Wissen, entwickelte sich ├╝ber vier F├Ârster- und J├Ągergenerationen in Ostpreu├čen das, was an Wildbest├Ąnden und Waldbildern seit Anfang des 19. Jahrhunderts bis 1945 aufgrund des Erfolges weit ├╝ber die Provinzgrenzen hinaus anerkennend bewundert wurde. Dabei spielen zwei Namen eine gro├če Rolle: das ist der Elchwald und das ist die Rominter Heide. Aber zur├╝ck zur Ausgangslage am Ende des 18.Jahrhunderts.
  Wenn das Elchwild sich vor der ausbreitenden Landwirtschaft in den zur├╝ckliegenden Jahrhunderten besser halten konnte als andere Gro├čwildarten, so liegt das nicht daran, dass es von den Wilderern und J├Ągern weniger gesch├Ątzt wurde; aber sein nat├╝rlicher Lebensraum warsehr viel schwerer zug├Ąnglich und es war als Verzehrer von Weichholz nicht gezwungen, auf offenes Gel├Ąne zu wechseln. Weniger vor der Ausbreitung der Landwirtschaft als vielmehr vor der Niederwald- und Moorentw├Ąsserung und den damit verbundenen Baumartenwechsel wich der Elch zur├╝ck. So ist er 1725 noch als Standwild in allen W├Ąldern ├Âstlich der Passarge (diese flie├čt von Osterode nach Norden beiFrauenburg in das Frische Haff) und westlich in den Waldgebieten um Osterode anzutreffen.
 Unter K├Ânig Friedrich I. (1701 - 1713) werden in der Kaproner Heide vor den Toren K├Ânigsbergs in seiner Regierungszeit viele Hundert Elche erlegt und FriedrichWilhelm I. l├Ąsst dort 1718  40 St├╝ck und 1731  56 St├╝ck zur Strecke bringen. Auch 1780 ist das Elch-ID71881 14-EnderElchwild in seinemVerbreitungsgebiet von 1725 noch Stand-oderWechselwild.In der Folge geht es aber rasch abw├Ąrts. In den Jahren 1790 bis 1800 verschwindet der Elch im Westen ganz. 1840 f├Ąllt der letzte masurische Elch, 1842 der letztein Preu├čisch Eylau.1852 sind die letzten Reste zwischen Angerburg und Goldap verschwunden, eben nicht nur, weil er scharf bejagt wurde, sondern vornehmlich als .Folge der Umwandlung der bis dahin vorkommenden Moore in Wiesen  und der Nieder- und Bruchw├Ąlder in Wirtschaftsw├Ąlder mit entsprechendemBaumartenwechsel.
 In der zus├Ątzlichen Folge von Siebenj├Ąhrigem Krieg, der napoleonischenBesetzungundderRevolution 1848 schrumpft der Elchbestand von 500 bis 600 St├╝ck Mitte des 18. Jahrhunderts auf nicht mehr als elf nach einer Z├Ąhlung von 1849. Von diesem niedrigsten Bestand erholte sich das Elchwild durch Schonung und Schutz bis auf 300 St├╝ck im Jahre 1886. Zur Jahrhundertwende 1900 gab es bereits 390 und1905bereitswieder700Elche.BiszumErstenWeltkriegstiegdie Zahl auf 800 an,umdurch Kriegseinwirkung und Wilderei nach 1918 wieder auf 230 zur├╝ck zugehen. DerVorsitzendederostpreu├čischenJ├Ągerschaft,Manfred von Kobylinskiregte in den 1920erJahren einElchhegeprogramm an.Forstleuteausder Elchniederung schlossensich dieser Forderung an.Die sozialdemokratischeRegierung in Ostpreu├čen unterMinisterpr├ĄsidentOttoBraun, der ein begeisterter J├Ąger war, erlie├č f├╝r das Elchwild zwischen 1920 und 1925 Schonverordnungen. Eine von Forstmeister Schirmacher, Oberf├Ârster von Nemonien, durchgef├╝hrte Z├Ąhlung ergab einen Elchbestand von weniger als 200 St├╝ck, worauf der Oberpr├Ąsident eine dreij├Ąhrige Schonung verf├╝gte. So stieg der Wildbestand bis 1925 wieder auf 500 St├╝ck an. Danach wurde in gr├Â├čeren Waldgebieten wieder eine moderate Bejagung zugelassen, weil die auch den Verbiss- und Sch├Ąlschaden zu tragen hatten. So erh├Âhte sich der Bestand bis 1932 auf rund 1000 St├╝ck und dar├╝ber hinaus auf 1500 St├╝ck. Damit war der Elchbestand in der ostpreu├čischen Elchniederung gesichert. Ansonsten gab es in Deutschland keine Elche mehr.
  So f├Ąllt der H├Âhepunkt der Elchhege in die letzten 25 Jahre von 1925 bis 1945. Danach beendet zugleich das Ende des Zweiten Weltkrieges das wertvolle Werk selbstloser J├Ąger und F├Ârtster.
  An einige Namen sei hier erinnert: es sind die Hegemeister Rodewald (Tawe), Riedel (Inse), Knoefel (Pait), Wallin (Gilge), und die F├Ârster Weber (Kastaunen II), Quednau (Siberien), Schulz (Matzgirren), der Oberf├Ârster Meyer (Tawellinken), der Waldforstmeister Wrobel, der Elchj├Ągermeister Kramer (Pait) und der Oberf├Ârster Orlowski (Tawellingken). Sie und alle Ungenannten haben sich um den Erhalt des Elchwaldes in Ostpreu├čen ├Ąu├čerst verdient gemacht. Das kann mal allerdings nicht vom letzten Jagdherrn im Elchwald sagen. Der sogenannte ÔÇ×Reichsj├Ągermeister“ G├Âring und seine Jagdg├Ąste, betrieben die Jagd auf kapitale Elchschaufler ungez├╝gelt und ma├člos. Die Nutzung der Elchschaufler war nicht mehr nachhaltig. Viele Hirsche wurden zu fr├╝h gestreckt; der zahlenm├Ą├čige Bestand konnte dadurch aber nicht mehr negativ beeinflusst werden. Aber qualitativ wurde dem Elchwild Schaden zugef├╝gt. Besonders begehrt waren die kapitalen Schaufler, von denen es aber zu wenige gab, so dass viele Elche viel zu jung gar nicht die obere Altersklasse erreichten.
  1945 war das alles zu Ende. DerElchbestandwurde┬Ěwieimmer nach Kriegen und menschlichen Katastrophen zusammengeschossen. Direkt nach dem Krieg wurde derElchbestand von russischen Soldaten ausgerottet. Seit Ende der 1950er Jahre sind aus Litauen wieder Elche in den Elchwald zugewandert. Ferner wurden inden1960erJahrenaus Wei├črussland und dem Moskauer Gebiet Elche wiedereingeb├╝rgert. Am Ende diesesJahrzehntssollen wieder 500 Elche vorhanden gewesen sein, so dass seit 1969 auch wieder gejagt werden durfte. In den Folgejahren vermehrte sich das Elchwild bis in die 1980er Jahre sehr stark auf 1800 St├╝ck. 2005 wurde ein Bestand von 1300 St├╝ck angegeben und ein j├Ąhrlicher Abschuss von 200 bis 250 St├╝ck.
  Der Forstprofessor Horst Kramer aus G├Âttingen, Sohn vom letzten Elchj├Ągermeister Hans Kramer, schildert die heutige Situation in Nordostpreu├čen in der vierten erweiterten Auflage 2006 des Buches seines Vaters ÔÇ×Elchwald - einst und heute" wie folgt:
  ,,Der heutige Zustand des Elchwaldes. seiner Landschaft, seiner W├Ąlder und seines Wildbestandes muss nicht nur den Forstmann sehr betr├╝ben. Eine jahrzehntelange Aufbauarbeit einer naturgerechten und wirtschaftlich erfolgreichen Forstwirtschaft, verbunden mit einem die Belange des Waldbaus ber├╝cksichtigenden, weltweitbekannten Jagdbetrieb, ist vernichtet worden. Der Besucher des Elchwaldes und seiner Umgebung ist nach wie vor best├╝rzt ├╝ber die Situation der D├Ârfer und der Land- und Forstwirtschaft. ...
W├Ąhrend bis vor Kurzem alle Erinnerungen an die deutsche Vergangenheit beseitigt wurden, l├Ąsst man sie heute nicht nur in K├Ânigsberg wiederaufleben. Im Elchwald wurde neben der Renovierung und Unterhaltung einiger alter Forstgeh├Âfte vor allem die Instandsetzung der Geb├Ąude von Pait (ein ehemaliges kaiserliches Jagdhaus) z├╝gig in Angriff genommen und zum Teil bereits abgeschlossen."
 

Erinnerung an das ostpreu├čische Pferd

Das Heeres-Remonteamt - Neuhof-Ragnit

   Wie kein anderes deutsches Pferd verk├Ârperte das ostpreu├čische Warmblut mit seiner ranken Gestalt, seinen langen, schlanken Beinen, der breiten Brust, dem sch├Ân geschwungenen Hals und seinem zierlichen Kopf Adel und Sch├Ânheit. Es zeichnete sich durch Z├Ąhigkeit, H├Ąrte, Ausdauer und Gen├╝gsamkeit aus und stellte damit einen Pferdetypus dar, der den besonderen klimatischen Verh├Ąltnissen Ostpreu├čens in idealer Weise entsprach.
  Es war der Tierliebe und Pferdeleidenschaft der ostpreu├čischen Gutsbesitzer und Z├╝chter zuzuschreiben, dass solche herrlichen Gesch├Âpfe in fortgesetzter Reinheit gesichert wurden. Der eigentliche Z├╝chter aber war der kleine ostpreu├čische Bauer, der seine zwei bis drei Pferde hielt. Von ihm lie├č sich der gro├če Z├╝chter und auch der Z├╝chter mit einem kleineren Stutenbestand die Absatzfohlen liefern, um die Zahl ihres Fohlenjahrganges zu vervollst├Ąndigen und dann sp├Ąter die richtige Anzahl Remonten* liefern zu k├Ânnen.
  So ist es nur zu verst├Ąndlich, dass sich das ostpreu├čische Pferd ob seiner hervorstechen┬ş den Eigenschaften im In- und Ausland einer gro├čen Beliebtheit erfreute. Der hervorragende Ruf dieses Warmblutes weckte aber auch das ganz besondere Interesse des Milit├Ąrs.
  In Ostpreu├čen gab es f├╝nf Heeres-Remonte├Ąmter. Das Heeres-Remonteamt Neuhof┬ş Ragnit war mit seinen Gutsbetrieben das gr├Â├čte unter ihnen. Es lag ungef├Ąhr auf halber Wegstrecke zwischen Ragnit und Tilsit, inmitten einer reizvollen Landschaft. Das Hauptgut Neuhof-Ragnit und die Vorwerke Klein-Neuhof und Kraken (Krakonischken) bildeten die Inspektion 1, der zuletzt Remonteamtsinspektor Goldmann vorstand. Zur Inspektion 2, die von meinem Schwiegervater, Remonteamtsoberinspektor F├Ârster, geleitet wurde und dem ich eine Reihe detaillierter Angaben f├╝r diesen Bericht verdanke, geh├Ârten die Vorwerke Schalau (Paskalwen) mit dem angegliederten Gut Girschunen, Damnitzhof (Gudgallen) und Heidenanger (Bambe). Von den 1.500 ha landwirtschaftlicher Nutzfl├Ąche entfielen etwa 900 ha auf Ackerland und 600 ha auf Gr├╝nland, wovon ungef├Ąhr die H├Ąlfte als Wiesen im gro├čen Memelbogen zwischen Georgenhof und Ragnit lagen.

  Welche Aufgabe hatten nun die Heeres-Remonte├Ąmter?
  Allj├Ąhrlich imFr├╝hjahr wurden in der Presse Termine bekanntgegeben, zu denen Dreij├Ąhrige f├╝r das Milit├Ąr aufgekauft werden sollten. Die Z├╝chter brachten ihre Pferde an die vereinbarten Orte und f├╝hrten sie auf diesen RemoRemntierungskommission - Pferdepr├╝fstandntem├Ąrkten einer Remontierungskommission, die zumeist aus dem “Remontepr├Ąses”, zwei Offizieren, einem Veterin├Ąr und dem Zahlmeister bestand, zur Musterung vor. Der Milit├Ąrtierarzt untersuchte Augen und Gebiss, nahm die Hufe in Augenschein, stolzierte um das Pferd herum und musterte jede Stelle des K├Ârpers genau. An der Trense wurde das Pferd dann vorgef├╝hrt, zuerst im Schritt, dann im Trab. Dabei beobachtete die Kommission insbesondere die Gangart. Nach der Musterung und Untersuchung wurde dann f├╝r die als tauglich befundenen Pferde sofort der endg├╝ltige Preis festgesetzt.
  Diese Remonteankaufskommissionen suchten aber auch G├╝ter auf. F├╝r einen solchen Gutsbetrieb war der ÔÇ×Remontetag" immer ein gro├čes Erlebnis. Er brachte Abwechslung in das t├Ągliche Einerlei, aber auch die Anerkennung der z├╝chterischen Leistung des jeweiligen Besitzers, die nicht nur in ideeller Weise zu Buche schlug, sondern sich insbesondere in klingender M├╝nze auszahlte. Schon Tage vorher wurden die Remonten besonders reichhaltig gef├╝ttert, getr├Ąnkt und solange gestriegelt, bis das Fell wie Seide gl├Ąnzte. Sie wurden regelrecht ÔÇ×aufgeputzt". Pferdepfleger schnitten den Tieren Schweif und M├Ąhne und k├Ąmmten das Haar sorgf├Ąltig aus. Im Stall gab es ein Gro├čreinemachen. Nach dem Ausmisten wurde frisches Stroh gesch├╝ttet, die St├Ąlle durchgel├╝ftet. Der Gutshof wurde gefegt und geharkt. Alles sollte den besten Eindruck vermitteln, wenn die Kommission anr├╝ckte. Die zu einem guten Preis gekauften Pferde kamen dann in die Remonte├Ąmter, wo sie auf den Milit├Ąrdienst vorbereitet wurden.

In Schalau standen immer zwischen 70 und 90, in Damnitzhof ungef├Ąhr 120 Remonten. Der Zweck der ├ťbung im Einzelnen war der, die aus verschiedenen St├Ąllen kommenden Tiere an die Gemeinschaft mit anderen Pferden zu gew├Âhnen. Dazu wurden sie zu Gruppen von 20 Pferden in einem Stall untergebracht. In dieser Vorbereitungszeit fand auch die Durchseuchung statt. Dar├╝ber hinaus wurde die k├Ârperliche Entwicklung gef├Ârdert durch gleichm├Ą├čige F├╝tterung, Bewegung der Pferde in eigens daf├╝r hergerichteten Bewegungsbahnen, Abh├Ąrtung und regelm├Ą├čige Hufpflege. Allein ein Viertel der in Ostpreu├čen aufgekauften Pferde stand im Heeres-Remonteamt Neuhof-Ragnit und den dazugeh├Ârigen Vorwerken.
  Nach der einj├Ąhrigen Vorbereitungszeit fand dann auf dem Amt die Remontemusterung statt, bei der schon ├╝ber die Verwendung des Pferdes entschieden und die Verteilung vorgenommen wurde. Allj├Ąhrlich im Sommer hie├č es dann Abschied nehmen, wenn die Kommandos verschiedener Reiterregimenter aus der Provinz und aus dem Reich kamen, um die Remonten abzuholen.
  Der landwirtschaftliche Betrieb gestaltete sich im Gro├čen und Ganzen wie der einer Dom├Ąne. Angebaut wurden insbesondere Kartoffeln und Getreide (Hafer, Roggen, Weizen). Die Roggen- und Weizenertr├Ąge wurden verkauft, der Hafer diente den Remonten als Futter.
  Das Gras auf den ausgedehnten Memelwiesen wurde zweimal im Jahr gem├Ąht. In Heidenanger f├╝hrten diese Arbeit beispielsweise einzelne Bauern durch, denen von vornherein mit Pf├Ąhlen abgesteckte Parzellen in der Gr├Â├če von vier Morgen zugeteilt waren. Nach dem ersten Schnitt setzten sie das Heu dann in gro├če Haufen auf, und zwar 10 Haufen pro Parzelle. Je zwei der Haufen wurden ihnen dann jeweils als Deputat von dem Inspektor des Remonteamtes zugeteilt, die sie sofort mit langen B├╝schen markieren mussten. Die verbleibenden acht Heuhaufen wurden von ihnen mit ihren Fuhrwerken in die zum Amt geh├Ârende Feldscheune eingefahren. Von Schalau, Neuhof-Ragnit und Damnitzhof aus verbrachte man das Heu dann im Winter viersp├Ąnnig mit gro├čen Schlitten in die heimischen St├Ąlle, wo es den Pferden als Rauhfutter diente. Von dem zweiten Schnitt (Grummet) erhielten die Bauern f├╝r die F├╝tterung ihres Milchviehs sechs bis acht Heuhaufen. Das verbleibende Heu kam dem Deputatvieh auf dem Hauptgut und auf den Vorwerken zugute.

  Was die ├Ârtliche Lage und die damit im Winter und Fr├╝hjahrverbundenen Schwierigkeiten anbelangt, stellte das Vorwerk Kraken eine Besonderheit erster G├╝te dar. Es lag im ├ťberschwemmungsgebiet der Lankaswiesen, dort wo die Memel durch den Rombinus** in einem gro├čen Bogen in Richtung Tilsit abgedr├Ąngt wurde. ÔÇ×Hier wohnten vier lnstmannsfamilien" , so berichtet Remonteamtsinspektor Goldmann, ÔÇ×welche zur Bewirtschaftung und im Sommer zur Remontebetreuung ein gewisses Einsiedlerleben f├╝hrten." Und der ehemalige Beamte f├Ąhrt fort: ÔÇ×Sie bewohnten ein massives Mehrfamilienhaus, auf einem Hochkeller aufgestockt, um die Bewohner w├Ąhrend einer Hochwasserperiode vor Sch├Ąden an Leib und Gut m├Âglichst zu bewahren. Das Fr├╝hjahrshochwasser 1943 drang aber doch bis in die Wohnr├Ąume, da ein au├čergew├Âhnlich hoher Pegelstand herrschte.
  Das Deputatvieh wie K├╝he, Schafe und Gefl├╝gel, aber auch ein Wirtschaftsgespann von vier Pferden wurden bei hohem Wasserstand und Eisgang auf dem Boden eines massiven Remontestalls untergebracht. Die Belegschaftsfamilien mussten sich schon vor Weihnachten mit einem erheblichen Vorrat des t├Ąglichen Bedarfsversehen. Diese so abseits wohnenden Familien waren ohnehin auf eine recht autarke Hauswirtschaft eingerichtet. Die Hauptnahrungsg├╝ter kamen aus Hausschlachtung und eigener Milch┬ş bzw. Butterversorgung und Brotbacken. H├╝hner deckten den t├Ąglichen Eierbedarf, und an G├Ąnsen, Enten und Puten mangelte es auch nicht, um eine abwechslungsreiche K├╝che zu erm├Âglichen.
  Stand das Hochwasser nicht h├Âher als 50 bis 60 Zentimeter ├╝ber dem Wiesengel├Ąnde und dem Zufahrtsweg zum Hauptgut, war eine Verbindung mittels Gespann oder Schlepper noch m├Âglich. Bei h├Âherem Wasserstand erm├Âglichte ein Kahn, in den letzten Jahren mit Motor, einen Personen- und Versorgungsverkehr, zu dem auch die ├ťberfahrt der schulpflichtigen Kinder zur amtseigenen Schule geh├Ârte. In schweren Krankheitsf├Ąllen mussten auch Arzt und Hebamme diese Kahnpartie mitmachen. Fast drei Kilometer war die Strecke lang."

Das Heeres-Remonteamt Neuhof-Ragnit wurde von Oberst Perl-M├╝ckenberger geleitet.
Der leitende landwirtschaftliche Beamte war Amtmann Stottmeister.

 *Remonte – frz. Ersatzpferd, hier: drei-und vierj├Ąhrige Pferde, die f├╝r die j├Ąhrlich ausgemusterten Pferde ben├Âtigt wurden.
**Rombinus – heiliger Berg der Litauer aus heidnischer Zeit 

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Heimat - einst und heute

Wappen des Kreises Elchniederung
Die Kirche im Kreisort Heinrichswalde