Reisebericht von der Heimatkreisreise in die Elchniederung vom 02.08. - 09.08. 2012 mit Partner-Reisen von der Grund-Touristik GmbH & Co. KG von James-Herbert Lundszien und Horst Wolfgang  Nienke (Fotos)

1. Reisetag   Gnesen - Marienburg

2. Reisetag Marienburg - Frauenburg - Tilsit

3. Reisetag Heinrichswalde-Gr. Friedr.-Kreuzi.

4. Reisetag Heinrichsw. -Rauterskirch-Seckenb.

1. Gruppenfoto
 
vor der Kirchenruine Rauterskirch

2. Gruppenfoto
vor dem Tilsiter Elch in Tilsit

3. Gruppenfoto
vor dem Schloss Podewil bei Krag in Polen

5. Reisetag   Heinrichswalde      Kuckerneese Herdenau   Karkeln    Pait    Inse    Rautersdorf

James-Herbert Lundszien -TextberichtWolfgang Nienke - Fotobericht
Nachfolgend m├Âchten wir Ihnen einen kombinierten Reisebericht vorstellen. Hierin schildert Ihnen James-Herbert Lundszien seine Reiseeindr├╝cke und Erlebnisse und von Horst Wolfgang Nienke gibt es als Erg├Ąnzung viele Fotos zu sehen.
Den Bericht von J.-H. Lundszien k├Ânnen Sie auch am St├╝ck lesen, denn am Ende eines jeden Abschnittes gibt es einen Link zum n├Ąchsten Reisetag seines Berichtes. Wir w├╝nschen Ihnen viel Freude an diesem Beitrag.

Wenn einer eine Reise tut, dann hat er was zu erz├Ąhlen...  von James-Herbert Lundszien
Unser Reisebus von Grund-Reisen
Seit mehreren Jahren reden meine Br├╝der und ich dar├╝ber, dass wir unbedingt mal mit unserem Vater nach Ostpreu├čen m├╝ssen, um die Orte seiner Kindheit kennen zu lernen und uns m├Âglichst viel erz├Ąhlen zu lassen. Immer wieder verschoben. Seit einigen Jahren engagiere ich mich in der Kreisgemeinschaft Elchniederung und bin mittlerweile der 2. stellvertretende Vorsitzende. Bei diversen Treffen wird ├╝ber die Heimat gesprochen, ├╝ber Reisen dorthin und Einzelheiten, die die meisten Anwesenden kennen und sich dar├╝ber austauschen. Immer wieder kommt die Frage, ÔÇ×Warst Du schon in der Heimat?“ Nein ich war noch nicht da, muss ich jedes Mal einr├Ąumen. Irgendwas h├Ąlt mich immer wieder ab. Was es wohl ist? Aber auf dem letzten Treffen in Bad Nenndorf im Herbst 2011 werden Pl├Ąne geschmiedet. Wir wollen mit allen Kirchspielvertretern und dem Vorstand eine gemeinsame Reise in die Heimat, die Elchniederung, machen, in der so viel Wissen wie m├Âglich von der Zeitzeugen - Generation an die Nachgeborenen - Generation weitergegeben werden soll. Peter Westphal ├╝bernimmt die Planungen und irgendwann steht ein Termin fest. Leider werden doch nicht alle Kirchspielvertreter und Vorstandsmitglieder auf die Reise gehen k├Ânnen. Alter und Gesundheit schieben den einen oder anderen Riegel davor. Unsere Reisegruppe wird durch weitere Mitreisende ÔÇ×aufgef├╝llt, die sich uns gerne anschlie├čen und auch in die Heimat reisen m├Âchten. Fast 70 Jahre nachdem mein Vater seine Heimat verlassen hat, werde ich dorthin reisen und sie mit eigenen Augen sehen! Am 2. August 2012 geht es dann richtig los. Meine Frau und ich sind war schon am Vortag Zuhause weggefahren und haben in Lehrte ├╝bernachtet. W├Ąre schrecklich, wenn wir die Abfahrt des Busses wegen eines Staus auf der Autobahn verpassen. Lieber auf Nummer sicher gehen. Das aufregende Gef├╝hl, welches jeden Entdecker beschleicht, beginnt morgens um 7:25 Uhr, als wir in Lehrte vom Betriebshof unseres Reiseunternehmens abfahren. Um 8:00 Uhr sammeln wir Zusteiger am Busbahnhof in Hannover und um 10.00 Uhr noch mal Zusteiger an einer Tankstelle in Magdeburg auf. Um 12:00 Uhr in Berlin - Sch├Ânefeld am alten S-Bahnhof sto├čen die letzten Zusteiger zu unserer Reisegruppe hinzu, dann geht es los in Richtung Polen. Irgendwann erreichen wir den Grenz├╝bergang Frankfurt/Oder und passieren wenig spektakul├Ąr die Grenze zu Polen. Wir fahren ber gut ausgebaute Autobahnen; im Bus h├Ârt man immer wieder die ge├Ąu├čerte Vermutung, alles sei aus EU-Mitteln bezahlt und wer bezahle es am Ende wirklich? Deutschland nat├╝rlich. Ist noch ein weiter Weg, sich als ÔÇ×eins“ in Europa zu verstehen. Ob das so bald gelingt, ist angesichts des Umstands, dass wir innerhalb von Deutschland mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch weit entfernt von Normalit├Ąt sind, sehr fraglich. Ich jedenfalls versp├╝re Stolz auf unsere wirtschaftliche und finanzielle St├Ąrke. Wir k├Ânnen uns etwas leisten! Durch teilweise menschenleeres Polen geht die Reise, dann und wann sieht man neue Hauser, denen man den neuen Reichtum der Eigent├╝mer ansieht. Aber auch viele H├Ąuser, denen man einerseits ihr Alter und andererseits am Baustil besonders die fr├╝heren Eigent├╝mer erraten kann. Einige gr├Â├čere Stopps werden f├╝r die menschlichen Bed├╝rfnisse eingelegt. Einzig erw├Ąhnenswert ist der Halt an der Kathedrale, dem Dom von Gnesen/Gniezno. Papst Johannes Paul II muss hier eine Messe gelesen haben, scheint jedenfalls auf einem Gedenkstein festgehalten zu sein. Dann geht die Fahrt weiter zum Ziel des 1. Tages, Marienburg/Malbork an der Nogat. Auch wenn Manfred Romeike kurz vorher sagt, ÔÇ×Jetzt sind wir in der Heimat angekommen.“ stimmt das wohl noch nicht so ganz. Offizielle Schautafeln zur Marienburg sprechen von ihrer Zugeh├Ârigkeit zu Westpreu├čen. Aber wir sind schon ganz nah dran, an der ÔÇ×Heimat“. Das Essen im Hotel direkt an der Marienburg war gut. Noch besser war der Blick auf die in der n├Ąchtlichen Dunkelheit angestrahlte Marienburg, wirklich ein toller, unvergesslicher Anblick!!! Hier war ich vor einigen Jahren schon einmal. Aber das ist eine andere Geschichte.             
Weiter im Text mit dem 3. August 2012                       

Bei unserem Halt in Gniezno: Dom Mari├Ą Himmelfahrt gegr. 965
Zuverl├Ąssig und sicher brachte uns unser Busfahrer Torsten Sowa  zu den Zielen
Hotel Zamek in Malbork am 3.8.2012
Was mag diesen Teufel aus der Burg so in Bedr├Ąngnis bringen? Unsere polnische F├╝hrerin sagte es uns! Er muss mal.
Vier Hochmeister des Deutschen Ordens. Die Burg war Svon 1309 - 1457 Sitz des Deutschen Ordens. Man sieht Hermann von Salza 1209-1239 oder Hinrich von Kniprode 1351-1382
Innenansicht der Marienburg
Toilette und Badezimmer auf der Burg, eine kalte Angelegenheit
Der noch nicht renovierte Teil der Burg - ein Millionenobjekt

3. August 2012
 Beginnend mit einem guten Fr├╝hst├╝ck im Hotel an der Marienburg, verspricht der Tag einiges zu bieten. Ein gro├čer Teil der Gruppe macht die F├╝hrung durch die imposante Burganlage mit. Von Maria, der polnischen F├╝hrerin, erhalten wir einen kompetenten, politisch durchaus ausgewogenen ├ťberblick ├╝ber fast 800 Jahre wechselhafte Geschichte und auch wechselnde Eigentumsverh├Ąltnisse dieser Burg. Nach ihrer Schilderung schaut der heutige Hochmeister des Deutschordens ab und zu vorbei, um sich ├╝ber die Fortschritte der Rekonstruktion der durch den Krieg verursachten Besch├Ądigungen zu informieren. Auf einen Blick kann man die enormen Sch├Ąden auf einem an die Wand angebrachten Bild betrachten. Polen leistet einen enormen Beitrag zur Wiederherstellung des einstigen Zustandes der Burganlage. Dann brechen wir zu einem im Reiseplan nicht vorgesehenen Zwischenstopp in Frauenburg/Frombork auf. Im Dom liegt Kopernikus begraben. In Thorn/Thorun geboren, wird er heute als ein echter Sohn Polens betrachtet. Was auch immer das bedeuten mag. Was ist denn ein unechter Sohn? Einen ersten tief bewegenden Moment erleben wir gemeinsam im Park an dem von der Kreisgemeinschaft Braunsberg errichteten Gedenkstein f├╝r die rund 450.000 ├╝ber das zugefrorene Haff gefl├╝chteten Ostpreu├čen. Manfred Romeike spricht einige dem Ort angemessenen Worte und l├Ąsst uns zum Gedenken schweigend verharren. Wir legen ein Blumengebinde nieder. Irmgard F├╝rstenberg, eine der lebenden Zeitzeuginnen, die uns auf der Reise begleiten, erlaubt uns einen ber├╝hrenden Einblick in ihre Erinnerungen an schreckliche Tage auf der Flucht, die jetzt wieder in ihr hochsteigen. An wackelndes, schon mit Tauwasser bedecktem Eis, Beschuss von oben durch Flugzeuge, sterbende Menschen und im eiskalten Wasser versinkende Pferdefuhrwerke mit ihren Insassen, Vergewaltigungen und andere schreckliche Erlebnisse, die f├╝r mich als einem nach dem Krieg Geborenen irgendwie irreal erscheinen. Und alle Strapazen und Schrecken umsonst, am Ende von den Russen doch eingefangen zu werden und zur├╝ck transportiert zu werden, um schlie├člich 1948 Ostpreu├čen endg├╝ltig verlassen zu m├╝ssen. (Als ich vor einigen Jahren an dieser Stelle stand, war es nur ein Gedenkstein. Jetzt hatte er sich mit einer Geschichte verbunden und das f├╝hlt sich anders an.) Einige werfen einen kurzen Blick auf den Dom, andere wenden sich dem Haff zu und erhaschen einen Blick auf die gegen├╝berliegende Frische Nehrung. Irgendwo dort dr├╝ben hatte meine Gro├čmutter mit Ihrer Familie wieder festen Boden unter den F├╝├čen auf ihrer Flucht ├╝ber das tr├╝gerische Eis gehabt. Ein pl├Âtzlich dunkel werdender Himmel l├Ąsst dann alle schnell zum Bus zur├╝ckkehren. Manche schaffen es nicht mehr rechtzeitig, bevor der Himmel seine Schleusen ├Âffnet und es im wahrsten Sinne des Wortes wie aus K├╝beln sch├╝ttet. Gegen 13:30 Uhr geht es weiter zur polnisch-russischen Grenze. Der Grenz├╝bergang weckt Erinnerungen an Zeiten, in denen Deutschland als Verlierer des Krieges und noch fernen EU-Zeiten nicht so einfach verlassen bzw. bereist werden konnte. An einer der Au├čengrenzen der EU wird heute gr├╝ndlich kontrolliert. Es ist kompliziert. Erst ein polnischer Posten, an dem es ziemlich schnell geht. Dann geht es zum russischen Kontrollposten, an dem es noch etwas gr├╝ndlicher und zeitintensiver zugeht. Aber andere, die schon h├Ąufiger nach Russland eingereist sind, empfinden den Grenz├╝bertritt als schnell. Und dann sind wir im n├Ârdlichen Teil Ostpreu├čens angekommen, der Region aus der meine Vorfahren v├Ąterlicherseits stammen. Der Regen, der jetzt unaufh├Ârlich in unterschiedlichen Intensit├Ąten vom Himmel f├Ąllt, dr├╝ckt auf meine Stimmung. Was mache ich hier eigentlich? Warum bin ich hierher gekommen? Meine Gro├čmutter, die mit ihren beiden Kindern von hier vor den Russen geflohen ist, w├Ąre sicherlich nicht hierher zur├╝ckgekehrt. Auch nicht fr einen Besuch. Sie hat keinen Grundbesitz zur├╝ckgelassen. Nur ein hartes entbehrungsreiches Leben. Als gl├Ąubige Christin dankte sie zeitlebens Gott daf├╝r, dass er sie den Krieg hat ├╝berstehen lassen und sie rechtzeitig aus Ostpreu├čen vor dem Zugriff der Russen herausgekommen war. Aber ich bin jetzt hier, und es regnet, regnet, regnet. Ist es ein Omen? Kurz vor Tilsit/Sovetsk fahren wir durch Argenbr├╝ck/Novokolhoznoye. Als der Ort noch Neu-Argeningken hie├č, wurde hier mein Gro├čvater geboren (1908). Aus der Kirchenruine, die rechter Hand der Hauptstra├če liegt, in der er getauft wurde, kommt aus der t├╝rlosen ├ľffnung eine Kuh. Merkw├╝rdig. Hier in diesem Ort haben meine Vorfahren ├╝ber viele Jahre gewohnt, aber niemand nimmt davon Notiz. Tanja, unsere russische Reisleiterin, die kurz nach der Grenze zu uns zugestiegen ist, redet und redet ├╝ber das, was uns im Hotel und am n├Ąchsten Tag erwartet. Eventuell bei mir aufkeimende Heimatgedanken gehen einfach in den Alltagsbanalit├Ąten unter. Was passiert in Tilsit? Was gibt es wann zu essen? Wann und wo kann Geld getauscht werden? Auch  die Einfahrt in Tilsit/Sovetsk ist dann wenig spektakul├Ąr. Schmale Stra├čen, deren Belag noch aus deutscher Zeit stammt, werden durchfahren. Sicherlich passieren wir Geb├Ąude, deren fr├╝here Bedeutung oder Nutzung erw├Ąhnenswert gewesen w├Ąre, aber unsere mentale Vorbereitung auf das Einchecken im Hotel hat einfach eine h├Âhere Priorit├Ąt. Ach ja, und es regnet, regnet, regnet... 40 Reisende checken im Hotel Russija ein. Ein einziger Aufzug, der f├╝nf Etagen bedient. Das dauert schon seine Zeit, bis meine Frau und ich auf dem Zimmer sind. Unser Zimmer liegt mit Blickrichtung zur fr├╝heren Hohe Stra├če. Der erste Blick f├Ąllt auf einen stummen Lenin, der uns den R├╝cken zukehrt. der zweite Blick f├Ąllt auf den Tilsiter Elch, der auf der gegen├╝berliegenden Seite des Platzes aufgestellt ist, uns jedoch nicht unmittelbar anschaut. Sein Blick ist leicht nach links auf die ber├╝hmte Stra├če gerichtet. Auf diese bin ich sehr gespannt. Irgendwo hat hier mein Vater f├╝r wenige Monate bei Diakonissen gewohnt, weil er hier in Tilsit die Knaben-Realschule besuchte. Nach den Erz├Ąhlungen meiner Oma war es schon etwas Besonderes, weil Kinder von Landarbeitern in der Regel keinen besseren Schulabschluss als Volksschule erreichten. H├Âhere Schulen waren den Kindern der Gutsbesitzer oder Wohlhabenden vorbehalten. Aber Oma sagte damals schon, dass er es besser haben sollte. (Das scheint sich ├╝ber die Jahre nicht ver├Ąndert zu haben, Kinder sollen es irgendwie immer besser als die Eltern haben.) Und das zu einer Zeit, als sich Deutschland schon mehr als vier Jahre in einem die Welt in Atem halten den Krieg befand und niemand wusste, wie es jemals enden w├╝rde. Mit der Evakuierung im Herbst 1944, aufgrund der sich n├Ąhernden Front, endete diese Episode des Schulbesuchs allerdings schnVorspeise - Salatell. Aber heute VorsuppeAbend geht es nur noch darum, etwas in den Magen zu bekommen und sich im sch├Ânen Hotelzimmer einzurichten. Das erste Abendessen, bestehend aus Vorspeise, Vorsuppe, Hauptgericht und Nachspeise ist schmackhaft. Zur Nachspeise, einem sahnigen St├╝ckchen Kuchen gibt es frisch aufgebr├╝hten Kaffee, der mich an meine Kindheit erinnert. Nicht unbedingt wegen des Geschmacks, sondern wegen des Kaffeesatzes, der sich erst einmal am Boden der Tasse niederlassen muss. Und dann muss er langsam getrunken werden, damit der Satz dort bleibt, wo er hingeh├Ârt: Auf dem Boden der Tasse. Er schmeckt aber gut und sp├Ąter schlafe ich das erste Mal in Tilsit, nicht weit entfernt von dem Haus, in dem min Vater vor fast siebzig Jahren schlief, ein seltsames Gef├╝hl.                 
Weiter im Text mit dem 4. August 2012                                                                                                                           

Am 3. August 2012, unser 2. Reisetag fuhren wir nach der gef├╝hrten Besichtigung der Marienburg weiter nach Frauenburg, dem heutigen Frombork. Der Ort wurde zum ersten Mal als Sitz des erml├Ąndischen Domkapitels 1282 erw├Ąhnt. Wesentlicher Grund f├╝r unseren Halt war, dass wir am Gedenkstein f├╝r die umgekommen Fl├╝chtlinge am Frischen Haff einen Strau├č niederlegen wollten. Unser Vorsitzender manfred Romeike hielt die Rede zum Gedenken an unsere verstorbenen Landsleute und Irmgard F├╝rstenberg, als Zeitzeugen, berichtete ├╝ber ihre Flucht ├╝ber das Eis. Danach ging es weiter ├╝ber den neuen Grenz├╝bergang von Heiligenbeil (russ. Mamonowo- đťđ░đ╝đżđŻđżđ▓đż)direkt nach Tilsit (russ. Sowjetsk - đíđżđ▓đÁĐéĐüđ║ und litauisch Til┼ż─Ś) zum Hotel Rossija. Von Fauenburg ~ 245 km

Frauenburg   (Frombork)

Gedenktafel f├╝r 450.000 deutsche Fl├╝chtlinge aus Ostpreu├čen
Kreisvertreter der Elchniederung Manfred Romeike h├Ąlt die Gedenkrede
Irmgard F├╝rstenberg berichtet als Zeitzeugin von ihrer Flucht
Das Hotel Rossija in Tilsit (Sowjetsk). Die Stadt hei├čt immer noch Sowjetsk obwohl es keine Sowjets meht gibt.

3. August 2012
Ankunft in unserem Hotel in Tilsit mit Lenin als Vorposten. Lenin steht noch in vielen D├Ârfern, in einigen wurde er aber auch entfernt. So z.B. in Herdenau oder Kuckerneese.

Bewohnte H├Ąuser im heutigen Sowjetsk. Fast wie zum Ende der DDR im Jahre 1989. Am Ende dieser Seite zeigen wir renovierte H├Ąuser in der Hohen Stra├če von Tilsit.

Marode, aber bewohnte H├Ąuser in Tilsit. Aufgenommen w├Ąhrend der Busfahrt nach Heinrichswalde
Marode, aber bewohnte H├Ąuser in Tilsit. Aufgenommen w├Ąhrend der Busfahrt nach Heinrichswalde
Marode, aber bewohnte H├Ąuser in Tilsit. Aufgenommen w├Ąhrend der Busfahrt nach Heinrichswalde

Am 4. August 2012, unser 3. Reisetag, fuhren wir nach Heirichswalde (russ. Slawsk - đíđ╗đ░đ▓Đüđ║ -frei ├╝bersetzt Ruhmreiche Stadt). Slawsk (~4600 Einwohner)hat heute Stadtrecht und ist Sitz der Rajonsverwaltung. Wir waren als Kreisgemeinschaft Elchniederung zum Stadtfest (720 Jahre) eingeladen. Es gibt im Ort einige neue und auch renovierte Geb├Ąude, aber vieles sieht noch sehr marode aus. Die Kirche wurde der Russisch Orthodoxen Kirche ├╝bertragen, was aber zwischenzeitlich ge├Ąndert worden sein soll. Das Stadtfest war gut organisiert und wir wurden von der heutigen Bev├Âlkerung angenehm freundlich aufgenommen. Tenor: Meine Heimat - Deine Heimat -frei nach Wolf von Lojewski!

Die Wurstfabrik in Slawsk
Bewohnte und genutzte H├Ąuser in der Hauptstra├če, die heutige Uliza Sowjetskaja
Bewohnte und genutzte H├Ąuser in der Hauptstra├če, die heutige Uliza Sowjetskaja
So sieht ein Haus aus, wenn es dann nicht mehr genutzt wird.
23-hw

Praktisch handeln k├Ânnen die Russen schon. Wenn die Nr. 61 gebraucht wird und es gibt nur noch die 19, dann einfach umdrehen.

Vor dem Museum in Slawsk
Hartmut Dawideit ├╝bergibt Herrn Watschislaw Kent eine Aussteuer f├╝r das Museum
Nasch Pajon - unser Kreis steht auf dem Plakat
Exponate aus deutscher Zeit
Die neue Russisch-Orthodoxe-Kirche im Kulturpark
Taufe des Stadtparkes in "Juri-Gagarin-Park"
Aus Nah und Fern kamen die G├Ąste

├ťbrigens, die beste Gru├čbotschaft von allen deutschen Vertretern hielt
M. Romeike - einheitliche Meinung unserer Reisegesellschaft!

Festreden und Gru├čbotschaften der G├Ąste zum 720. Jahrestag von Slawsk
Unsere Chefs - Hartmut Dawideit & Manfred Romeike freuen sich  auf ihren Einsatz
Unsere Redakteurin des Heimatbriefes Frau Dawideit. Ganz Liks Herr W. Kent und im Hintergrund die G├Ąste.
Ein Ringgrill- effektiv bei dem Ansturm
Ortseingang von Slawsk in Beton und Symbolen
Einfach und geschmacklich gut - der meist verputzte Teller.
V.r. J.-H. Lunszien Autor des Berichtes), M. Romeike, Dr. Ziegler, Frau Ziegler geb. Romeike

Am Nachmittag fuhren wir nach Gro├č Friedrichsdorf  (đôĐÇđżĐüĐü đĄĐÇđŞđ┤ĐÇđŞĐůĐüđ┤đżĐÇĐä) dem heutigen Gastellowo  (đôđ░ĐüĐéđÁđ╗đ╗đżđ▓đż). Das Kirchspiel hatte fr├╝her ~ 5.500 Einwohner. Heute sind nur noch Rudimente da. Die Kirche ist Ruine und die ehemalige Schule, eine der modernsten Ostpreu├čens, steht vor der endg├╝ltigen Schlie├čung. Irmgard F├╝rstenberg stammt von hier und konnte viel erz├Ąhlen. Wenn ihr in der Ortsbeschreibung in dieser Homepage nachseht findet Ihr Spuren von Irmgard.  Letzte Station war dann Kreuzingen (Skaisgirren), heute Bolschakowo (đĹđżđ╗ĐîĐłđ░đ║đżđ▓đż).

Gro├č Friedrichsdorf (russ. Gastellowo  đôđ░ĐüĐéđÁđ╗đ╗đżđ▓đż)

Neben der Kirche steht diese Hinweistafel
Die Ruine der Kirche von Gr. Friedrichsdorf
Die Schule von Gr. Friedrichsdorf, bald Geschichte
Es wird auch in Gastellowo - Gr. Friedrichsdorf renoviert
Das ehemalige Pfarrhaus in Gr. Friedrichsdorf

Kreuzingen (Gro├č Skaisgirren; russ. Bolschakowo đĹđżđ╗ĐîĐłđ░đ║đżđ▓đż)

Kreuzingen - links die ehemalige Kapelle ist ein Kaffee. Recht die Kirche
Die Kirche ist Russisch-Orthodox, das war sie schon bei meinem vorherigen Besuch 2008
Das russische korrekter sowjetische Ehrendenkmal f├╝r die gefallenen Soldaten

5. August
Wir brechen auf zum Gottesdienst nach Heinrichswalde/Slawsk. Nicht in der Kirche, die aufgrund der Besitzverh├Ąltnisse f├╝r uns nicht nutzbar ist. Wir begehen den Gottesdienst im evangelischen Gemeindehaus. In dem in einer Seitenstra├če gelegenen Haus mit neugedecktem Dach und neuen Fenstern nehmen wir an einem deutsch-russischen Gottesdienst teil. Wie selbstverst├Ąndlich ist die Zweisprachigkeit w├Ąhrend des Gottesdienstes und der gemeinsame Glaube verbindet die Anwesenden. Am Rande des Gottesdienstes wird an die deutschst├Ąmmigen Bewohner der Elchniederung die Bruderhilfe der Landsmannschaft Ostpreu├čen verteilt. Eine kleine finanzielle Hilfe an unsere Landsleute in der alten Heimat. Wir werden am Ende des Gottesdienstes aus dem Raum hinauskomplimentiert, weil schnell ÔÇ×umgebaut“ wird, Tische hingestellt und gedeckt und wir noch zu einem Imbiss eingeladen werden. Viele Teller mit belegten Broten, Teller mit Keksen und Schokoladen, Kaffee, Tee und Wasser werden uns angeboten. Sehr reichhaltig und sehr herzlich die Zuwendung! Dann geht es per Bus oder Fu├čmarsch noch einmal zum Heimatmuseum. Einige von unserer Reisegruppe hatten es schon am Vortag besucht. Aber Herr Kent freut sich ├╝ber die zahlreichen Besucher, denen er die R├Ąumlichkeiten und Exponate erkl├Ąren kann. Damit endet unser heutiger Besuch in Heinrichswalde/ Slawsk und wir brechen nach Rauterskirch/ Bolschije Bereschki auf. Jetzt ├╝bernimmt Peter Westphal die Reiseleitung und beschreibt w├Ąhrend der Fahrt intensiv seine Bem├╝hungen zur Rettung der Kirchenruine. Zugleich hat er vor Ort ein Netzwerk aufgebaut, das auch der sozialen Hilfe der im Ort lebenden Bev├Âlkerung zugute kommt. Diese scheint ziemlich arm zu sein und stellt ich nach Ankunft unseres Busses auf, um unsere mitgebrachten Geschenke in Empfang zu nehmen. Eine Schwester aus der Sozialstation begr├╝├čt uns stellvertretend ganz herzlich und dankt f├╝r unser Kommen. Das Verteilen der Geschenke hat dann etwas Bizarres. Das Bild erinnert an die portugiesischen Entdecker der neuen Welt bei ihrem ersten Treffen mit den Indianern oder auch von reichen Kolonisten in Schwarz-Afrika. Jeder verteilt das von ihm Mitgebrachte nach eigenem Gutd├╝nken und bei mir bleibt ein Gef├╝hl von Scham und Ungerechtigkeit zur├╝ck, dass nicht alle gleichm├Ą├čig bedacht werden (k├Ânnen). Und ...es ist hei, ├╝ber 30 Grad, Sonnenschein von einem strahlend blauen Himmel ├╝ber ostpreu├čischer Landschaft! Dann wandert unsere Karawane in Richtung Kirchenruine. Es geht leicht bergauf in Richtung eines Deiches. Meine Spannung steigt etwas an, gleich werde ich zum ersten Mal in meinem Leben die Gilge sehen. Der Abzweig der Memel, von dem ich so viel gehrt habe und von dem mein amerikanischer Cousin Randy in einer verkl├Ąrenden Art und Weise spricht (ohne jemals selbst hier gewesen zu sein). Und dann stehe ich auf der Deichkrone und sehe den Fluss, der leise beh├Ąbig bzw. tr├Ąge vor sich hinzieht. St├Ârche in den Uferwiesen, eine Ruhe und Stille. So idyllisch! Wir wenden uns nach rechts und folgen dem, was man bei uns einen Wirtschaftsweg nennt. Nach etwa hundert Metern ├Âffnet sich eine L├╝cke im Baumbestand und der gro├čen Hecke und der erste Blick auf die Kirchenruine ist m├Âglich. Hier wurden meine Vorfahren zwischen 1700 und 1780 getauft, verheiratet und es wurden ihnen hier Totenmessen gelesen. Auf der davor stehenden Bank sitzend, frage ich mich, was sie gedacht, gef├╝hlt haben, wenn sie aus ihren D├Ârfern jenseits der Gilge kamen, um hier am kirchlichen Leben teilzunehmen. War der Weg beschwerlich? Was hat ihnen der Kirchenbesuch gegeben? Waren sie Teil der sozialen Gemeinschaft? Wie gingen die Menschen damals in dieser Gegend miteinander um? Nichts ist in unserer Familie an Wissen ├╝berliefert und so bleiben die Fragen unbeantwortet. Von hier aus kehren wir in die Sozialstation ein, wo auch ein Imbiss bereitgehalten wird. Daf├╝r, dass uns die Armut der Menschen hier eindringlich beschrieben wurde, werden wir wirklich f├╝rstlich bewirtet. Belegte Brote, S├╝├čigkeiten, Kaffee, Tee und hochprozentiger, selbstgebrannter Schnaps. Nach einem intensiven Austausch mit den Rauterskirchern steigen wir wieder in unseren klimatisierten Reisebus und brechen Richtung Seckenburg/Zapowednoe auf. Schade, dass Anneliese Schalk uns nicht begleiten konnte, aber Manfred Romeike, der fr├╝her schon einmal mit ihr in Seckenburg war, hat vieles behalten, kann deshalb einiges erkl├Ąren und uns auch das zerfallene Haus der Kuchenbeckers (Annelieses Elternhaus) zeigen. Die Kirche von Seckenburg und ein daneben liegendes Haus sind eingez├Ąunt und werden bewacht. Offenbar hat ein Investor das Gel├Ąnde in der Absicht gekauft, dort etwas zu unternehmen. Der Umbau zu einem Hotel macht bei uns die Runde. Aber wer in aller Welt, will hier irgendwann mal bernachten? Links von diesem Gel├Ąnde beginnt die Greituschke oder Kleiner Friedrichsgraben genannt, getrennt von einem Deich von der Gilge, die ich heute zum zweiten Mal sehe. Ein Eintrag im Sterberegister des Kirchenbuches von Alt Lappienen lautet: Jurgis Lunczyns, ein alter Knecht an der Greituschke. Vorher hatte ich zu diesem Eintrag keine Beziehung. Das ├Ąndert sich jetzt schlagartig. Ich habe jetzt auch ein Bild von dem Ort an dem er lebte und starb vor meinem Auge. Von der Gilge geht noch ein ruhiger Seitenarm ab, der am Deich kurz hinter der Kirche vorbeigeht. Insgesamt sieht das Gebiet hinter dem Deich sumpfig aus. Trotzdem mache ich mich auf den Weg an das Ufer der Gilge. ich muss doch wenigstens einmal die Hand ins Wasser stecken. ├╝berraschender Weise baden dort zwei russische Sch├Ânheiten im Wasser. Eigentlich baden sie nicht, sie sitzen im flachen Uferwasser und trinken Bier aus gro├čen Plastikbechern. Irgendwie ein idyllisches Bild und trotzdem morbide, aufgrund der vielen zerfallenen H├Ąuser in Seckenburg. Der Aufenthalt ist kurz, aber auch nicht so kurz, dass man nicht auch noch streiten k├Ânnte. Ruth Woldeit legt sich fest, dass ein bestimmtes Geb├Ąude das ÔÇ×Kuchenbecker-Haus“ ist,  obwohl andere Reisende es besser wissen. Dies f├╝hrt zu einem heftigen Disput, der in der Hitze f├╝r den einen oder anderen auch schwei├čtreibend wirkt. Aus dem W├Ąrterh├Ąuschen am umz├Ąunten Gel├Ąnde kommt ein neugieriger W├Ąrter, der von einer Mitreisenden ausgefragt wird. Die Antworten sind aber wenig ergiebig. Ich meine er verteilt auch selbst gebrannten Schnaps, bin mir aber nicht sicher. Unser Busfahrer dr├Ąngelt und hupt: wir wollen schlie├člich auch noch einen Rundgang durch Tilsit machen und da sind noch ein paar Kilometer zu fahren. Wir fahren ├╝ber Kussenberg, vorbei an den fr├╝heren Orten Neufrost, Isenberg, Gilkendorf, Schnrohr, Ziegelberg, den traurigen Resten von Neukirch und Brittanien nach Heinrichswalde. Ich erspare mir an dieser Stelle die Angabe der heutigen russischen Namen f├╝r diese Orte. Dort verlassen uns die Westphals und die Dawideits, die uns an diesem Tag begleitet haben. Und es geht auf dem uns bereits bekannten Weg nach Tilsit. Hier fahren wir bis ins Stadtzentrum und biegen in eine an der Memel liegenden Seitenstra├če ein und steigen aus. Unsere Reiseleiterin Tanja ermahnt uns eindringlich, keine Fotos vom Grenz├╝bergang an der K├Ânigin-Luise- Br├╝cke zu machen. So werden die Aufnahmen mehr oder weniger aus sicherer Entfernung gemacht. Wir bewundern den erhaltenen Bogen mit dem gusseisernen Konterfei der preu├čischen K├Ânigin und machen uns langsam auf den Weg Richtung Hohe Stra├če. Wir folgen unserer Reiseleitung im Pulk und bewundern die Entwicklung der Stra├če hin (zur├╝ck) zu einer Flaniermeile. Sch├Âne Alleeb├Ąume an den Stra├čenr├Ąndern, dazwischen eine frisch asphaltierte, verkehrsberuhigte Stra├če. Alte H├Ąuser, nahezu verfallen, stehen in einer Reihe mit frisch renovierten H├Ąusern, deren urspr├╝ngliche Sch├Ânheit dadurch wieder erweckt ist. Und auch hier, wie in Heinrichswalde, russische Nachkriegsbauten, die teilweise vom  Anblick schlimmer aussehen, als die alten, noch nicht wieder hergestellten Huser aus deutscher Zeit. Leider fehlen mir die Ortskenntnisse und fr├╝heren Besitzverh├Ąltnisse, so dass mir einzelne H├Ąuser nichts sagen. Die Litauische Landkirche am Schenkendorfplatz, in die meine Oma ging, existiert nicht mehr und ├╝ber den urspr├╝nglichen Standort gibt es in der Reisegruppe widerspr├╝chliche Aussagen. Langsam schleichend n├Ąhern wir uns dem Hotel, nicht ohne vorher noch ein Gruppenbild mit Tilsiter Elch aufzunehmen. Ziemlich k.o. von dem Tag in ostpreu├čischer Hitze geht es aufs Zimmer zum Duschen, dann zum Abendessen, was wieder sehr schmackhaft ist und dann ins Bett.                       Weiter im Text mit dem 6. August 2012

Das Gemeindehaus der ev. Gemeinde wird renoviert
Pfarrer Semenukuff mit ├ťberstzerin.
Manfred Romeike ├╝bergibt ein paar Pr├Ąsente an Pfarrer Semenukuff.
Der kleine Kirchechor sang f├╝r die Gemeinde
Die Teilnehmer des Gottesdienstes
Die Slawsker hatten uns zu einem kleinen Imbiss eingeladen.
Gemeindeschwester Maria mit B├Ąrbel Dawideit.
Hinweistafel zur Kirchenruine von Rauterskirch (Bolschije Bereschki-)

Rauterskirch  (Alt Lappienen; russ.  Bolschije Bereschki  đĹđżđ╗ĐîĐłđŞđÁ đĹđÁĐÇđÁđÂđ║đŞ)

Herr Westphal begr├╝├čte die ruussischen Einwohner.
Der Weg zur Kirchenruine
Manfred Romeike mit seiner Schwester Frau Ziegler in der Ruine
Die Ruine wurde von allen Seiten fotografiert - hier von au├čen.
Frau Lundszien fand ein schattiges Pl├Ątzchen
Die Tiere am Ufer der Gilge wussten auch. wie man sich wohlf├╝hlen kann

Unser erstes Gruppenfoto vor der Kirchenruine von Rauterskirch

Gruppenfoto vor der Ruine der Kirche von Rauterskirch
Das Schild der Station. Hierin das deutsche Wort "Feldscher".
St├Ârche auf der Kirchenruine von Rauterskirch
Auch die Gemeindeschwestern hatten uns bewirtet.

Seckenburg  (Sapowednoje - đŚđ░đ┐đżđ▓đÁđ┤đŻđżđÁ)    fr├╝her ~1.400 Einwohner

Die Kirche von Seckenburg. Ein eingez├Ąuntes Gel├Ąnde.
Baumaterialien steht auf dem Schlid dieses Hauses

Gelegentlich konnten wir uns auch mal ├╝ber kleine Dinge freuen. Hier war es eine Art von Rhabarberblatt vom Ufer der Gilge bei Seckenburg

Der Initiator Wolfgang Nienke mit Hartmut Dawideit
Die Eleganteste - B├Ąrbel Dawideit
F├╝r Dieter Wenskat war es eine ernste Angelegenheit
Unsere Reiseleiterin Tatjana Udovenko f├╝hlte sich sichtlich unwohl, aber da musste sie auch durch!
Karola Stranz am├╝sierte sich k├Âstlich
Brigitta Schleu├čner fand den Spa├č auch ganz nett
Irmgard F├╝rstenberg hatte auch keine Einw├Ąnde, ihr Mund dr├╝ckt aus: Ist das fein!

Abschlussfoto der Reisegruppe vor dem Tilsiter Elch

Gruppenfoto vor dem Elch in Tilsit. Mit dem Ballon: Reiseleiterin  Tatjana Udovenko von  Swena Tours

Am 5. August 2012, der vierte Reisetag,fuhren wir wieder nach Heinrichswalde, um einen gemeinsamen Gottesdienst mit der evangelischen Kirchengemeinde (ca. 60 Mitglieder) zu feiern. Anschlie├čend war noch eine gemeinsame Stunde im Rahmen der Bruderhilfe im Gemeindehaus. Dann war die Ruine von Rauterskirch (đĹđżđ╗ĐîĐłđŞđÁ đĹđÁĐÇđÁđÂđ║đŞ) auf dem Programm mit Besuch des dortigen Schwesternhauses. Danach fuhren wir nach Seckenburg und als Abschluss ein gemeinsamer Spaziergang in Tilsit von der Luisenbr├╝cke durch die Hohe Stra├če zum Hotel.

Heinrichswalde  (russ. Slawsk - đíđ╗đ░đ▓Đüđ║; litauisch Gastos)    Ende Januar 2013 hat Kaliningrad beschlossen: Die Kirche wird renoviert. Beginn noch 2013

4. August 2012
Der Wecker geht fr├╝h. Zu fr├╝h! Noch unausgeschlafen genie├če ich das erste Fr├╝hst├╝ck im Hotel Russija, einige ungewohnte Bestandteile, aber insgesamt sehr reichhaltig und lecker. Und dann geht es um 9 Uhr los! Nein, es geht nicht wirklich los. Die Mitglieder unserer Reisegruppe m├╝ssen erst noch Geld tauschen. Weil die eine Bank erst 10 Minuten sp├Ąter aufmacht, verlagert sich die Schlange an ein anderes Geldinstitut. Als alle mit ausreichend Rubeln versorgt sind, geht es wirklich los. Das Ziel des heutigen Tages ist Heinrichswalde/Slawsk. F├╝r mich, der nicht in Ostpreu├čen geboren ist, stellt sich die Frage nach dem ÔÇ×richtigen“ Ortsnamen. Heinrichswalde? Slawsk? Am Ende dieses Besuchstages gelange ich zu meiner pers├Ânlichen ├ťberzeugung, dass dieser Ort wohl richtig hei├čen m├╝sste, ÔÇ×Slawsk, ein Ort der fr├╝her einmal Heinrichswalde war“. Auch wenn der eine oder andere erz├Ąhlt, wie die deutschen Bewohner dieses oder jenes Hauses hie├čen, ber├╝hrt dies in mir keine Saiten. Viele Hauser sind in einem desolaten Zustand. Andere, neue H├Ąuser sind in einer nicht in das Ortsbild passenden Bauweise errichtet worden und sehen teilweise ├Ąlter aus, als die viel fr├╝her von Deutschen errichteten H├Ąuser. Dies alles hat zur Verfremdung des urspr├╝nglichen Ortsbildes gef├╝hrt. Sicherlich s├Ąhe dieses ohne den Krieg heute auch ganz anders aus, als vor siebzig Jahren. Mein Heimatort in der N├Ąhe von Aachen ist mittlerweile auch weit entfernt von dem geistigen Auge meiner Kindheit. Einige H├Ąuser existieren nicht mehr, manche Stra├čenz├╝ge haben sich absolut ver├Ąndert. Aber der ver├Ąnderte Blick l├Âst keine schmerzhaften Gef├╝hle aus. Auf dieser Reise jedoch ist der Schmerz Einzelner bei der Betrachtung des urspr├╝nglichen Wohnortes immer wieder sp├╝rbar. Vermutlich, weil diese Heimat verlassen werden musste und nicht wie bei mir, das Weggehen von einem Wohnort immer eine freiwillige Entscheidung war. Weg von tr├╝bsinnigen Gedanken. Heinrichswalde war auch der Kirchspielort zu dem Sandfluss, sp├Ąter Lindental genannt, gehrte. Dort war mein Urgro├čvater geboren worden. Schon aus der Anfahrt aus Tilsit kommend, kann man den Kirchturm sehen. Aus der Entfernung richtungsweisend und majest├Ątisch. Aus der N├Ąhe dann doch zerbrechlich und dem Verfall n├Ąher als der weiteren Existenz. Auf der R├╝ckseite des Geb├Ąudes eingeworfene Fensterscheiben, vor dem Geb├Ąude ein einzelner alter Grabstein. Alles etwas morbid und trotzdem irgendwie ein imposantes Zeugnis vergangener Tage. Und dann der Ort, gepr├Ągt von der zentralen Durchgangsstra├če, Festpark "Juri Gagarin" mit russ.- orthod. Kircheder fr├╝heren Friedrichstra├če. Auch hier eine Mischung aus Verfall, Plattenbau und wundersch├Ân, nach westlichem Standard sanierten H├Ąusern aus deutscher Zeit. Und pl├Âtzlich wird der Verlauf der Stra├če j├Ąh unterbrochen. Ein gro├čer runder Platz, der sicherlich ├╝berall auf der Welt hinpasst, nur nicht hier, wurde unter Einbeziehung der alten Stra├če angelegt. Von hier aus wird sp├Ąter der Festumzug aus Anlass des 720j├Ąhrigen Bestehens von Heinrichswalde/ Slawsk starten. Dieses Fest ist der Hauptgrund unseres Hierseins. Wir sind als offizielle G├Ąste dazu geladen worden. Einer der Gastredner auf der B├╝hne des Festareals ist Manfred Romeike. In seiner Ansprache mahnt er, die Vergangenheit nicht zu vergessen, um daraus etwas Best├Ąndiges f├╝r die Zukunft zu erhalten. Der Beifall ist deutlich intensiver als beiden anderen Rednern (vielleicht bilde ich es mir aber auch nur ein). Ich werte dies als ein Zeichen daf├╝r, dass wir hier willkommen sind. Ansonsten ist das Fest wie alle Feste auf der Welt: gutes und fettes Essen, reichlich Getr├Ąnke insbesondere alkoholischer Natur, bunte Aufblasspielwelten, Verkaufsst├Ąnde f├╝r Erinnerungsst├╝cke und anderes fr├Âhliches Treiben. Was aber auff├Ąllt, ist die au├čerordentlich festliche Kleidung der Russinnen und Russen, die diesem Aller-Welts-Treiben eine ganz andere Note verleihen. Ach ja, regnen tut es nicht, die Sonne lacht von einem blauen Himmel. Sch├Ân ist es hier. Am Nachmittag brechen wir auf, um Gro├č Friedrichsdorf/Gastellowo zu besuchen. Irmgard F├╝rstenberg, unsere Zeitzeugin und aus diesem Ort stammend, beschreibt eindrucksvoll, wie bev├Âlkert die Orte auf dem Weg einst waren. Sie teilt mit uns ihre Erinnerungen, die wachgeblieben sind oder bei vergangenen Besuchen zur├╝ckkamen. Beispielsweise fand sie damals die Johannisbeerstr├Ąucher auf dem nicht mehr vorhandenen Hof ihrer Gro├čmutter. Zu vielen H├Ąusern kann sie die Namen der ehemaligen Bewohner nennen. Am eindrucksvollsten ist ihre Beschreibung ihrer Schule, die damals eine der modernsten Schulen im Deutschen Reich gewesen sein muss. Sie ist noch relativ intakt und wird noch heute als Schule genutzt. Viel trauriger dagegen ist der Ruinenrest der Kirche von Gro├č Friedrichsdorf. Irmgard F├╝rstenberg, die sich aufgrund ihres hohen Alters gef├╝hlt auf ihrer letzten Reise nach Ostpreu├čen befindet, l├Ąsst uns an ihren Emotionen teilhaben. (Vielen Dank daf├╝r!) Besonders emotional ist auch der Abstecher nach Gerhardsweide/ Ochotnoje Dieter Wenskat ├╝bermannen die Gef├╝hle, als wir durch den relativ gut erhaltenen Ort fahren und er uns die H├Ąuser zeigen kann, in denen fr├╝her sein Onkel und sein Gro├čvater lebten. Und dann fahren wir noch durch Kreuzingen/Bolschakowo und legen einen kurzen Stopp ein. Dieser Ort hatte fr├╝her und auch heute seinen Namen zu Recht. Eben wegen des Aufeinandertreffens von Stra├čen aus verschiedenen Direktionen. Zur├╝ck geht es nach Tilsit, ├╝ber Neu-Argeningken. Und wieder ist nicht der Ort das Thema, sondern das Programm des n├Ąchsten Tages. Ein eigent├╝mlicher Tag geht zu Ende. Fr├Âhliche Feierei unmittelbar neben traurigen Erinnerungen und damit unterschiedlichen Empfindungen, eben ein Wechselbad der Gef├╝hle.
     
  Weiter im Text mit dem 5. August 2012               

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Wappen des Kreises Elchniederung
Die Kirche im Kreisort Heinrichswalde